Einsatzbericht KHD Einsatz Slowenien 1.Schicht am 05.02.2014
Ablöse der eingesetzten Kräfte am 5. Februar 2014: ...so lautete der Befehl des LFKDO zum Austausch, der in Slowenien eingesetzten Kräfte aus Niederösterreich.
Erster Zwischenbericht der FF Möllersdorf vom Einsatz in SlowenienDie Ablösekräfte der freiwilligen Feuerwehr Möllersdorf sind BM Michael Skala und VM Patrick Friedl, welche mit dem Mannschaftstransportfahrzueg der FF Möllersdorf im Einzelmarsch bis zur Raststation Gralla fuhren. Dort sammelten sich alle NÖ Ablösekräfte und fuhren um circa 11:30 Uhr in einer geschlossenen Kolonne nach Slowenien. Im Ausbildungszentrum der slowenischen Zivilschutzkräfte, in der Stadt Logatec, fand die Einweisung der neuen Kräfte und Übergabe der Fahrzeugen sowie der Funkausstattung durch HBI Günther Gutmann, VR Michael Markhart und FM Helmuth Hoffer statt. Die praktische Einweisung am Gerät erfolgte durch die Betankung von Kleinfahrzeugen und anschließend durch die Betankung unseres Stromaggregates in Logatec. Danach erfolgte die Rückverlegung der Kameraden mittels MTF nach Möllersdorf. Die Rückmeldung, dass alle drei Ersthelfer wieder im Heimatland wohlbehalten angekommen sind, erfolgte gegen 19 Uhr bei der Bezirksalarmzentrale (BAZ) Baden.
Erste Eindrücke der eingesetzten Kräfte:
Durch die immense Belastung der Stromleitungen durch Schnee und Eis, ist die komplette Stromversorgung in der Region zusammengebrochen. Es gibt somit keine Wasserversorgung, kein Festnetztelefon, keinen Empfang für Mobiltelefone sowie kein Internet. Die komplette Kommunikation ist nur mittels sehr aufwendiger Technik überhaupt möglich. Es funktionieren keine Heizungen, kein Bankomat, keine Registrierkassen, kein Sicherheitssystem, kein E-Herd oder andere elektronische Geräte wie Computer oder Steuerungsanlagen - praktisch ein Rückschlag in Zeiten ohne Strom.
Nehmen wir als Beispiel Logatec, eine mittlere Stadt so wie es sie öfter in Slowenien gibt, für eine kleine Rechenaktion heran. Exemplarisch für eine Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern besteht ein Energiebedarf an Strom von ca. 30.000kW. Dies ist mit einer 110kV Freileitungsanlage, so wie es sie unzählige Male gibt, leicht leistbar. Wenn diese benötigte Leistung nun mit Stromaggregaten aufgebracht werden soll, so werden hierfür 200 Stromaggregate mit 150kW benötigt, welche dann nur für diese eine Stadt eingesetzt werden würden. Tatsächlich befinden sich vor Ort jedoch nur 21 solcher Stromaggregate vom Land NÖ, welche im gesamten Land verstreut eingesetzt werden.
Die Feuerwehr Möllersdorf übernimmt mit dem Stromaggregat nur die Versorgung eines einzelnen Schlüsselpunktes - des Rathauses, der Bank und der Post. Für diese drei Gebäude wird Energie von rund 100-130kW von den maximal leistbaren 150kW bereitgestellt. Eine Instandsetzung der Freileitungsanlagen ist bei der derzeitigen Witterungslage jedoch nur schwer vorstellbar. Es müsste hierzu die vielfache Erneuerung von Seilen sowie der Austausch jedes 4. Strommasten im Land in kürzester Zeit bewältigt werden. Dies ist jedoch nicht so einfach, da bis zu einem Meter Schnee liegt und praktisch jeder Gegenstand mit zentimeterdickem Eis überzogen ist. Leitungen liegen einfach auf dem Boden oder sind noch mit einer dicken Schicht aus Eis und Eiszapfen bedeckt. Die Leitungsmasten aus Stahl knicken unter diesem Gewicht wie Streichhölzer ein. Praktisch jedem Baum, vom Sprössling bis zum Jahrhundert Giganten fehlen Äste, man kann sagen, dass jeder Wipfel abgebrochen ist, welche wiederum auf Leitungen, Trafostationen oder Gebäude stürzten. Die Eingesetzten Techniker und Hilfskräfte für den Aufbau kommen praktisch nicht mehr mit der Arbeit hinterher.
Das Leben als Helfender in Slowenien
Die Einsatzkräfte der FF Möllersdorf sowie weiterer Feuerwehren, wurden im Ausbildungszentrum der Slowenischen Zivilschutzkräfte, eine umgebaute ehemalige Kaserne, untergebracht. Bekocht wurden alle aus der zentralen Küche - für Verpflegung war also gesorgt. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, da es praktisch keine Lebensmittelläden mehr gibt, die ohne Strom öffnen können. Eine bekannte Kette, die in Deutschland anders heißt, hat praktisch jeden Markt geöffnet - fast die einzige Chance für alle privaten Personen zu Lebensmittel zu kommen. Die Straßen sind passierbar und die Autobahn ist praktisch in einwandfreiem Zustand. Die Nacht wurde in Mehrbettzimmern verbracht, wo man buchstäblich in die finstere Nacht hinausschauen konnte, weil wirklich nirgends ein Licht brennt, außer der Taschenlampen einzelner Personen. So lange noch weiterhin die Bäume zusammenknicken, die Leitungen nicht betriebsbereit sind und die Hilfe benötigt wird, wird auch die Feuerwehr Möllersdorf mit ihren Kammeraden, die sich eigens dafür frei nehmen um ihre Zeit für die Hilfe anderer zu opfern, in dem Krisenland vertreten sein.
Quelle: SB Martin Roth Öffentlichkeitsarbeit FF Möllersdorf
Fotos: © FF Möllersdorf
Weitere Informationen zum laufenden KHD Einsatz in Slowenien finden Sie hier: FF Möllersdorf und
zum Gesamtbericht mit laufenden Updates auf BFKDO Baden
Beitrag erstellt am 05. Februar 2014
Stefan Schneider BFK Baden


